Hanoi
Die Stadt liegt am fruchtbaren Delta des Roten Flusses (Sông Hồng), etwa 100 km von der Mündung in den Golf von Tonkin entfernt.
Geschichte
Im Jahre 866 errichtete die chinesische Tang-Dynastie zur Konsolidierung ihrer Besatzung am Westufer des Roten Flusses eine Zitadelle namens Đại La, die König Lý Thái Tổ, der Begründer der Lý-Dynastie, im Jahre 1010 zu seiner Residenzstadt auserwählte und „ThăngLong“ („aufsteigender Drache“) nannte (Zitadelle Thang Long).
Zahlreiche Sagen und Legenden umranken Hanois Geschichte.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde Hanoi wiederholt von Invasoren erobert, verlor zwischenzeitlich seine Funktion als Hauptstadt und wurde mehrfach umbenannt.
Während der Ho-Dynastie (1400–1407) trug Hanoi den Namen Đông Đô (östliche Hauptstadt), während der Besetzung durch die chinesische Ming-Dynastie hieß die Stadt Đông Quan (östliches Tor), die Le-Könige benannten sie 1430 in Đông Kinh (östliche Hauptstadt) um. Als die Niederländische Ostindien-Kompanie im 17. Jahrhundert hier eine Handelsniederlassung einrichtete, gelangte dieser Name als Tongking ins europäische Schrifttum.
Während der Nguyen-Dynastie (1802–1945) verlor Hanoi seinen Status als Hauptstadt und musste diesen an Huế abtreten, blieb jedoch administratives Zentrum des Nordens.
Da der Drache als Symbol der kaiserlichen Macht der Hauptstadt Huế vorbehalten bleiben sollte, wurde die Stadt abermals umbenannt. Der Nguyen-Kaiser Minh Mang (1820-1841) gab ihr im Jahre 1831 ihren heutigen Namen: Hà Nội (Hán Nôm: 河内) - die „Stadt innerhalb der Flüsse“, der nichts weiter als eine geografische Lage bezeichnet.
1873 wurde Hanoi von den Franzosen erobert. Von 1883 bis 1945 war die Stadt Verwaltungszentrum der Kolonie Französisch-Indochina. Die Franzosen errichteten südlich von Alt-Hanoi eine moderne Verwaltungsstadt, legten breite, rechtwinklig zueinander liegende, baumgesäumte Alleen mit Oper, Kirchen, öffentlichen Bauten und Luxusvillen an, zerstörten aber auch große Teile der Stadt, schütteten Seen und Kanäle zu oder verkleinerten diese; Kaiserpaläste und Zitadelle mussten ebenfalls weichen.
Von 1940 bis 1945 war Hanoi, wie auch der größte Teil von Französisch-Indochina und Südostasiens japanisch besetzt. Am 2. September 1945 rief Ho Chi Minh in Hanoi die Demokratische Republik Vietnam (Nordvietnam) aus. Die vietnamesische Nationalversammlung beschloss am 6. Januar 1946, Hanoi wieder zur Hauptstadt der Demokratischen Republik Vietnam werden zu lassen.
Zwischen 1946 und 1954 war die Stadt Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen Franzosen und den Việt Minh (Indochinakrieg). Während des Vietnamkrieges wurde Hanoi von den Amerikanern bombardiert. Die ersten amerikanischen Bombenangriffe auf Hanoi erfolgten 1966, die letzten Ende 1972. Allein zum Weihnachtsfest 1972 trafen 40.000 t Sprengstoff die Stadt und zerstörten sie zu 25 Prozent.
- 10 Stadtbezirke (Quận): Ba Đình, Cầu Giấy, Đống Đa, Hà Đông, Hai Bà Trưng, Hoàn Kiếm, Hoàng Mai, Long Biên, Tây Hồ und Thanh Xuân,
- 1 Stadt innerhalb der Stadt (Thị xã): Sơn Tây, sowie
- 18 ländliche Bezirke (Huyện): Ba Vì, Chương Mỹ, Đan Phượng, Đông Anh, Gia Lâm, Hoài Đức, Mê Linh, Mỹ Đức, Phú Xuyên, Phúc Thọ, Quốc Oai, Sóc Sơn, Thạch Thất, Thanh Oai, Thanh Trì, Thường Tín, Từ Liêm und Ứng Hòa.
Sehenswürdigkeiten
- Altstadt, Viertel der 36 Gassen
- Hoan-Kiem-See
- Jadeberg-Tempel
- Literaturtempel, die Sammlung der 82 Stelen im Literaturtempel wurde am 9. März 2010 in das UNESCO-Weltdokumentenerbeaufgenommen.[5]
- Ein-Säulen-Pagode (Chùa Một Cột)
- Ho-Chi-Minh-Wohnhaus
- Ho-Chi-Minh-Mausoleum
- Ho-Chi-Minh-Museum
- Überreste der Zitadelle Thang Long, der Zentralbereich wurde 2010 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.[6]
- Flaggenturm
- Nationalmuseum
- Revolutionsmuseum
- Vietnamesische Nationaluniversität
- Oper
- Thăng-Long-Wasserpuppentheater
- Ethnologisches Museum
Infrastruktur
Der Flughafen Hanoi (Nội Bài International Airport) ist der zweitgrößte Flughafen in Vietnam. Über die Nord-Süd-Schnellstraße ist Hanoi mit Giang verbunden.
Literatur
- Heinz Schütte: Hanoi, eine nachsozialistische Moderne. regiospectra Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-940132-23-9.
- Georges Boudarel, Van Ky Nguyen: Hanoi 1936-1996. Édition Autrement, Paris 1997, ISBN 2-86260-719-3.
- Georges Boudarel, Van Ky Nguyen, Claire Duiker: Hanoi. City of the rising dragon. Rowan & Littlefield, Lanham, Md. 2002, ISBN 0-7425-1655-5.
- Mason Florence: Hanoi. (Lonely Planet-Guide). Lonely Planet Publications, Melbourne, Victoria 1999, ISBN 0-86442-799-9.
- William S. Logan: Hanoi - Biography of a City. University of Washington Press, Seattle, WA 2000, ISBN 0-86840-443-8.
- André Lützen: Hanoi: Public, Private. Photoband. Kehrer Verlag, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-86828-150-7.
- Mary McCarthy: Hanoi 1968. ("Hanoi"). Droemer Knaur, München 1968.
- Huy-Hong Nguyen: Die Kunst des Wassermarionettentheaters von Thai Binh. Zentralhaus-Publikation, Leipzig 1985.
- Philippe Papin: Histoire de Hanoi. Fayard, Paris 2001, ISBN 2-213-60671-4.
- Rita Schneider-Sliwa: Städte im Umbruch: Neustrukturierung von Berlin, Brüssel, Hanoi, Ho Chi Minh Stadt, Hongkong, Jerusalem, Johannesburg, Moskau, St. Petersburg, Sarajewo und Wien. Reimer, Berlin 2002, ISBN 3-496-01245-5.
- Susan Sontag: Reise nach Hanoi. ("Trip to Hanoi"). Rowohlt, Reinbek 1969.
- Michael Waibel: Stadtentwicklung von Hanoi: Unter Berücksichtigung der Transformation des innerstädtischen 36-Gassen Gebietes seit Beginn von Doi Moi. Dissertation, Universität Göttingen 2001.
Literatur: Wikipedia-Hanoi
